Diversität an deutschen Universitäten: Akademische Titel

Als akademischen Titel oder akademischen Grad wird der am Ende eines Studiums erworbene Abschluss bezeichnet. Der akademische Titel wird in einer Urkunde bezeugt und hängt nicht nur davon ab, ob das Studium an einer Universität oder einer (Fach-) Hochschule absolviert wird, sondern auch vom Studiengang und dem späteren Berufsziel. Der Schwerpunkt des Studiums (praktische oder theoretische Ausrichtung) spielt ebenfalls eine Rolle. In der Regel wird der Aufbau des Studiums nach dem angestrebten akademischen Titel/Grad gewählt.

Verschiedene Titel mit grundsätzlich gleicher Bedeutung
Lange Zeit war es so, dass der erste zu erwerbende akademische Titel nach dem Abschluss eines Universitätsstudiums der sogenannte M. A. war. Die Abkürzung steht für Magister Artium (in weiblicher Form Magistra Artium) und lässt sich in etwa mit „Meister/Meisterin der Kunst“ übersetzten. Der Meistertitel ist aus dem Handwerk bekannt und eine hohe Auszeichnung, und ebenso war der auf theoretischen Studien basierende Magister kein wirklich niedriger Einstieg. Der Titel war für das Studium der Geistes- und Sozialwissenschaften mit einer Regelstudienzeit von 8 bis 10 Semestern vorgesehen und konnte unter einigen Bedingungen wegfallen, wenn der Student/die Studentin sofort die Voraussetzungen für den Doktortitel erfüllte. Dies bedeutete ein um 4 bis 8 Semester längeres Studium und ausführlichere Prüfungen.
In den angelsächsischen Ländern existierte (und existiert) parallel der Titel des Bachelor of Arts, kurz B. A. Dieser wird, abhängig von Universität oder Hochschule und dem Studiengang, nach 6 bis 8 Semestern oder auch Trimestern erlangt. Je nach Studiengang kann dieser Titel auch B. Sc., also Bachelor of Science oder B. Eng., Bachelor of Engineering heißen. In den Rechtswissenschaften gibt es den LL. B., den Bachelor of Laws. Dieser Titel ist ein erster akademischer Abschluss, der aber selten der finale Abschluss der wissenschaftlichen Laufbahn ist. In der Regel folgt nämlich ein Berufseinstieg und nach einigen Jahren ein Aufbaustudium, das auf den Titel M. A. abzielt. Dieser M. A. ist ein Master of Arts, der dem Magistertitel nicht nur in der Wortbedeutung als gleichwertig angesehen wurde. Der Unterschied bestand in der bereits vorhandenen Berufserfahrung und dem höheren Alter der Master-Absolventen. Auch hier wird nach Fachgebiet differenziert in den bereits genannten Master of Arts (M. A.), den Master of Science (M. Sc.), Master of Engineering (M. Eng.), Master of Laws (LL. M.) und andere.
Der Titel des Diploms existiert ebenfalls – nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen und außereuropäischen Ländern. Er wird an (Fach-) Hochschulen und Akademien am Ende von eher praktisch orientierten Studiengängen wie z. B. den Ingenieurwissenschaften vergeben. Auch hier ist eine Umstellung auf den oben genannten B. Eng. (Bachelor of Engineering) geplant bzw. z. T. schon durchgeführt (mehr dazu im letzten Abschnitt). Die Erlangung des Diploms erfordert neben einem Praxissemester in einem Betrieb oder einer Forschungseinrichtung (Zweck: Einführung in die praktische Arbeit) mündliche sowie schriftliche Prüfungen sowie die Präsentation einer eigenen wissenschaftlichen Arbeit. Einige wenige Universitäten (u. a. im Bundesland Bayern) vergeben diesen akademischen Titel für die universitären, eher theoretisch geprägten Studiengänge. Wie beim Titel des Magister bzw. Master können ein Aufbaustudiengang oder eine Forschungsarbeit angeschlossen werden und so der Doktortitel erlangt werden. 2 bis 5 Jahre kann dies dauern, abhängig nicht nur vom Studienfach, sondern auch von der finanziellen Lage und der persönlichen Arbeitsdisziplin des Studenten/der Studentin. Während dieser Zeit wird in der Regel bereits ein einfacher Lehrauftrag an der Universität oder Hochschule wahrgenommen, was nicht nur die finanzielle Lage bessert (Doktoranden steht kein BAFöG zu, sie müssen dennoch immatrikuliert sein und die entsprechenden Gebühren entrichten, können nicht voll berufstätig sein, da sie an der Universität anwesend sein müssen), sondern auch bei der Forschungsarbeit hilft.
Manche Studiengänge werden mit dem Staatsexamen abgeschlossen. Bei Lehramtsstudiengängen, in den Rechtswissenschaften sowie in veterinärmedizinischen, lebensmittelchemischen, humanmedizinischen sowie pharmazeutischen Studiengängen ist dies der Fall. Das Staatsexamen ist jedoch lediglich eine Prüfungsbezeichnung, kein akademischer Titel oder Grad. In einigen Bundesländern Deutschlands kann zusammen mit dem erfolgreich absolvierten Staatsexamen ein akademischer Grad erworben werden – wie z. B. der Diplom-Jurist. Obwohl das Staatsexamen keinen akademischen Grad darstellt, ist es dennoch Zugangsvoraussetzung für Referendariat und Vorbereitungsdienst, die in den oben genannten Studiengängen vor einem zweiten Staatsexamen absolviert werden müssen, bevor der eigentliche Berufseinstieg erfolgt.

Anpassung im Rahmen des Bologna-Prozesses
Seit einigen Jahren ist es so, dass innerhalb der EU die akademischen Abschlüsse aneinander angepasst werden müssen, um die Mobilität der Arbeitnehmer in Europa durch gleichwertige und gleichnamige (transparente) Abschlüsse zu gewährleisten. Die Folge davon ist, dass in Deutschland seit einiger Zeit die Studiengänge auf den B. A./M. A. Abschluss umgestellt werden. Das erfolgt in den verschiedenen Fachgebieten mehr oder minder erfolgreich – eine Kürzung der Studienzeit hat auch immer eine Reduzierung des vermittelten Wissens zur Folge. Die meisten Studiengänge müssen durch die „Verschlankung“ stark verschult werden und lassen weniger Raum für die zuvor übliche frühe Spezialisierung trotz einer Vermittlung von breitem Basiswissen. Bildung ist in Deutschland nicht zentral geregelt, sondern Ländersache, und die Universitäten und Hochschulen genießen dazu noch eigene Freiheiten. Dementsprechend schwierig ist die Umsetzung der Angleichung, die inzwischen an einzelnen Instituten schon wieder rückgängig gemacht werden soll (siehe Bundesland Sachsen). An manchen Universitäten und Hochschulen können Studenten im Moment noch auswählen, ob sie nach dem alten System studieren und einen Magister/Magistra Artium als Titel erwerben wollen oder ob sie bereits den verkürzten B. A.-Studiengang absolvieren wollen.

 

 

 

Autor: Weber

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